8. Januar 2010

ede meets rap.part.1

Es gibt lange Beziehungen, die einen frühen Anfang haben und es gibt kurze Liaisons, die eine natürliche Unregelmäßigkeit mitbringen. Und es gibt Bindungen, die sich spät finden, oft verlieren, aber nie von einander ablassen können. So einen Bezug habe ich zum Hip-Hop.

Aber bevor ich überhaupt davon erzählen kann, muss ich meinen musikalischen Background schildern. Dieser existiert nämlich nicht. Man wird ja durch äußere Umstände in seiner Entwicklung beeinflusst. Beispielsweise und vor allen Dingen durch die Erziehung. Nun ist das mit meinen Schöpfern so. Meine Eltern hören vorwiegend alte, trashige, russische, deutsche Musik. Das reicht dann von Heintje bis Modern Talking. Von Dschinghis Khan bis Юра Шатунов. Abba und The Beatles waren die Highlights meines Elternhauses, aber auch eher Mangelware. Diese Wertung findet natürlich erst im Nachhinein statt. Als kleiner Ein-Meter-Mann hinterfragt man seine Eltern nicht. Zumindest war ich so naiv und lernte, dieses Geschmacksmuster auf Chartmusik zu übertragen. Somit hörte ich reines Gewissens Rollergirl, Aqua, Eiffel65 und die Schlümpfe CDs. Gigi D’agostino war damit gemessen ein rebellischer Akt meinerseits.

Man ist also kleinwüchsig, elterngebunden und leicht beeinflussbar. Wie könnte man nun gerettet werden? Man braucht antiautoritäre Vorbilder. Sowas wie Freunde. Freunde, die auf den Teppich spucken. Menschen, die hartnäckige Flecken auf Hemd und Hose als herausforderndes Geschenk für ihre Mutter betrachten. Selbstbewusste Dreckskerle, die ihr Unwissen als Weisheit verkaufen. Ich rede hier von Arschlochkindern. Jeder kennt diese Sorte Mensch aktiv oder passiv. Nun ja, ich damals nicht. Als hilfloses Migrantenkind waren mir meine Eltern immer heilig. Da durfte kein neunmalkluger Jack Wolfskin-tragender Junge in die Quere kommen.  Und die, die ich traf, waren größere musikalische Opfer und haben heute einen Böhse Onkelz-Schriftzug auf ihrer Heckscheibe.

Meine Kindheit war aber nicht nur durch die Abwesenheit guter Musik geprägt. Es kam erschwerend hinzu, dass mir meine ach so geliebten Eltern nie ein Instrument kaufen wollten. Und ich wäre mit allem zufrieden gewesen, wo ich nicht reinblassen musste. Schlagzeug, Gitarre und Keyboard waren meine ewigen Favoriten. Ich wäre der George Michael dieses Jahrtausends geworden. Aber scheinbar haben Vater und Mutter etwas gegen schwule Skandalmusiker. Sie wollten mich vor diesem dreckigen Business bewahren und hörten deswegen nur gutmütige Volksmusik reinen Herzens. Bestimmt waren sie vor meiner Geburt auf jedem AC/DC-Konzert. Doch das werde ich nie erfahren. Sie leben ihre neuen elterlichen Rollen zu perfekt, als dass ich sie entlarven könnte. Der einzige Hinweis ist und bleibt meine antimusikalische Erziehung, die für ein Hassfach verantwortlich ist, die mir den DSDS-Auftritt zerstörte und mir wenige bis keine Chartplatzierungen sicherte.

Fortsetzung folgt…

Юра Шатунов