9. Januar 2010

ede meets rap.part.2

ede meets rap.part.1

So weit, so gut. Meine frühe Kindheit und die Quelle meiner musikalischen Verkrüppelung sind damit geklärt. Die Zeiten ändern sich und die Technik entwickelt sich weiter. Kassettenrekorder und CD-Player wichen meinem ersten Computer. Tauschbörsen erlebten ihren Höhepunkt und ich hatte noch kein Internet. Also mussten die Freunde herhalten, die mich mit Charthits versorgten, die jedoch nach der Jahrtausendwende ziemlich gemischt und unprägend waren. Quasi schlecht. Darüber konnte ich aber getrost hinwegsehen. Wenn man nichts hat, ist jede Musik Gold wert. Sogar der Steuersong, der auf meiner ersten Single-CD war. Ansonsten hörte ich irgendwelche CDs meiner Freunde und das Radio lief permanent.

Irgendwann kam dann der Moment. Es war dieser magische Augenblick, den man hat, wenn man einen Künstler oder eine Band in sein Herz schließt. Vorher wusste ich keine ehrliche Antwort auf die Frage nach meiner Lieblingsmusik. Weder Genre noch Band konnte ich nennen. Eines Tages antwortete ich einem Mädchen dann aber “Linkin Park”. Die erste Band, von der ich ein gesamtes Album besaß, welches ich komplett hörte, ohne von Charts und Radioohrwürmern beeinflusst worden zu sein. Zufällig war das auch noch ihre Musik und ihre Band. Ein zweites Gespräch fand nie statt.

Zurück zur Musik. Ich hörte also Linkin Park. Jedoch verflog dieser musikalische Traumzustand schnell wieder. (Wie irgendwie alles in meinem Leben.) Ich vermute es lag an mangelndem Nachschub und ich glaube, die Musik in den Charts und auf MTV (ja, dieser Reality-TV-Sender war mal Musiksender!)  wurde besser. Es war so gut, dass man sich gerne eine Stunde lang MTV-Hot angeschaut hat. Und seitdem hatte ich kein Interesse mehr für Rockmusik aller Art. Black-Music und Pop aus den USA regierten mein unterentwickeltes musikalisches Zentrum. Namen wie Eminem, Christina Aguilera und Sean Paul zierten meine MP3-Dateien. Ich verstand nur einen Bruchteil, aber ich liebte den Beat und den Bass. Bald darauf wurden deutsche Skandalrapper groß und man hörte diverse Sexpraktiken auf den Discmans in meiner Nähe. Ich hatte weder so ein portables Gerät, noch hatte ich gefallen gefunden an diesem perversen Pornorap.

Und siehe da, ich selektierte! Ich begann Musik zu schmecken, ohne auf Trendzüge zu springen. Ich blieb lieber beim unverständlichen Mainstream, als den nächsten coolen Schritt zu gehen. Mit den Baggy Pants, die ich dann hätte tragen müssen, ging das ohnehin nicht.

Fassen wir mal den Zwischenstand zusammen: die trashigen und elterngebundenen 90er Kindesjahre zerstörten jegliche musikalische Zukunft. Nach der Jahrtausendwende brachten Brenner und Tauschbörsen frisches Futter und befreiten mich vom elterlichen CD-Schrank. Amerikanischer Hip-Hop zog über MTV in mein Kinderzimmer ein und ich lehnte Deutschrap ab.

Dann kam der Splash.

Fortsetzung folgt…