31. Januar 2010

Deutsche Sprache – Schwere Sprache

Russische Sprache – schwerere Sprache.

Die Sprache und ich sind nicht gerade die besten Freunde. Wir mussten über Jahre hinweg einige Kompromisse eingehen. Diese haben aber durchaus attraktive Folgen nach sich gezogen. Zunächst mal bin ich als Russlanddeutscher mit den russischen Wortlauten meiner Eltern groß geworden und habe nebenbei deutsches Fernsehen absorbiert. Ich bin relativ spät mit 4-5 Jahren in den Kindergarten gekommen, wo ich dann natürlich auf dem Schlachtfeld des Sandkastens allerhand nützliche und essentielle deutsche Wortfetzen aufschnappte.

Meine Eltern wurden währenddessen auch immer besser im Gebrauch der deutschen Sprache. Und als ich dann in die Grundschule kam, war Deutsch meine Sprache, mit der ich eigentlich aufgewachsen bin. Die Sprache, die das seltene und komplizierte Russisch verdrängte und mir heute noch Hoffnungen im Bereich der Publizistik gibt. Denn bereits in der Grundschule hat sich mein verspätetes Deutsch zu einem fehlerfreien Selbstläufer entwickelt. Grammatik und Rechtschreibung waren für mich selbsterklärend. Und wenn ich ein Wort mal falsch geschrieben hatte, brannte sich dessen Schreibweise in meine Gehirn ein. Ähnlich gut merkte ich mir auch bereits gelesene und bekannte Wörter. Kommafehler entstanden im Gymnasium auch nur noch auf Grund von Zeitmangel.

Das mag jetzt alles bemerkens- und vielleicht sogar beneidenswert klingen, aber ich erwähnte ja bereits die Kompromisse, die ich eingehen musste. Einerseits wäre da mein rudimentäres Russisch, welches sich mit viel Mühe aufarbeiten ließe. Andererseits sind all diese sprachlichen Finessen, die ich eben ansprach, allein aufs Schreiben bezogen. Ich war noch nie ein großer Redner und werde es auch nie sein, weil ich zu langsam denke, um meinen Schreibstil ins echte Leben übernehmen zu können. Und wenn ich dann mal genauso reden müsste (bei Präsentationen etc.), sind das Situationen, die es durch Nervosität endgültig zerreißen. Dann kommen auch Grammatikfehler ans Tageslicht, die ich nach wenigen Sekunden bereue. Lange Pausen sind ebenso Bestandteil wie sich wiederholende Übergänge oder Totalausfälle wegen vergessener Wörter. Letztlich gehe ich aber von einem subjektiven Bild aus, welches sich hoffentlich nach der Schule deutlich verändern wird.

PS: Rhetorik wäre ein tolles und nützliches Schulfach gewesen.