13. April 2010

reviewED: Das wandelnde Schloss

Howl’s Moving Castle, so der englische Titel des Films und der Buchvorlage, ist mein Lieblingsfilm der Ghibli-Studios. Das ist die japanische Zeichentrickfilmschmiede, die verantwortlich ist für Meisterwerke namens Prinzessin Mononoke oder Chihiros Reise ins Zauberland. Hayao Miyazaki, war auch wieder beim wandelnden Schloss für die fantastischen Bilder federführend.

Die Geschichte, die in einem fiktiven europäischen Setting stattfindet, handelt von der jungen Hutmacherin Sophie, die von der Hexe aus dem Niemandsland verflucht wird und fortan eine alte Oma ist. Sie verlässt ihre Stadt und findet Zuflucht im berüchtigten wandelnden Schloss, das dem charismatischen Magier Hauro gehört.

Ab da wird die Geschichte bzw. die Zusammenfassung verwirrend. Man kann dem Film zwar folgen, aber man verliert das eigentliche Ziel. Nebenbei wütet nämlich noch ein gewaltiger Krieg. Soll dieser ein Ende finden? Muss Sophie wieder jung werden? Was ist mit den vielen anderen Figuren? Findet die Verbindung zwischen dem Feuerdämon Calcifer und Hauro ein Ende? Muss die Hexe aus dem Niemandsland dran glauben? Desto mehr Fragen man sich stellt, umso enttäuschender ist dann auch das Ende. Einiges bleibt offen oder wird zu abrupt gelöst. Die fernöstliche, sonst sehr geliebte, Surrealität stellte mich auch eher weniger zufrieden. Man kann dem Film aber auch ganz optimistisch einen Überaschungseffekt zusprechen, weil man nichts ahnt und im Dunkeln tappt. Ähnlich verschleiert bleibt die Intention des Films. Wo frühere Ghibli-Werke eine Message in Richtung Naturschutz hatten, bewegt sich Das wandelnde Schloss irgendwo zwischen Weltfrieden, Generationenverständnis und innerer Schönheit.

Der Film ist also storytechnisch einer der schwächsten Miyazaki-Filme. Wieso bleibt er also mein Lieblingsfilm, wo ich doch einer “Prinzessin Mononoke” mehr Rafinesse abgewinnen kann? Es ist – Achtung! Nicht missverstehen! – die Story. Die innere Struktur und Umsetzung mag zwar bescheiden sein, aber die äußere Bildgewalt, mit der die Geschichte umgesetzt wurde, ist überwältigend. Die Farben sind mir zwar nicht immer ganz genehm, aber das Gesamtwerk ist und bleibt umwerfend. Dies mag jetzt auch irgendwie für alle Ghibli-Filme gelten, aber mit der Romanvorlage von “Howl’s Moving Castle” hat man eine außerordentliche Basis für die Bilder. Den Look des Settings und der Figuren verdankt man letztlich der Story, auf der die begabten Zeichner aufgebaut haben. Ein westliches Filmstudio hätte Ähnliches niemals geschafft. Die fernöstliche Umsetzung einer westlichen Geschichte hat nun zur Folge, dass wir eine neue Bildsprache erleben. Wo Miyazaki früher viel offene, weite Natur mit wenigen variierenden Charakteren (Mein Nachbar Totoro, Pom Poko) zeigte, hat man nun detailreiche Architektur und eine Fülle an unterschiedlichen Wesen, die nochmal in sich vielfältig sind. Ich werde mir bei nächster Gelegenheit mal das Buch besorgen, um meine Vermutung zu bestätigen, dass die Story gestaucht wurde, aber die Bildgewalt beibehalten wurde.

Der endgültige Zauber fehlt aber noch. Das weitaus Bezauberndste ist nämlich Joe Hisaishis Titelmelodie, die mir jedesmal eine Gänsehaut verpasst, wenn sich Bild und Musik zu einer fesselnden Symbiose vereinen. Das sind die Emotionen, die Lieblingsfilme ausmachen. Das sind die Gefühle, die man nur noch schwach aus Kindertagen in Erinnerung hat. Die Begeisterung, die man meinte, verlernt zu haben. Wenn die einen überwältigt, kann auch ein schlechter Film zum persönlichen Favoriten avancieren.

Kommentare

  1. Wie du weißt, schaute ich den Film ja auch. Die Musik ist mir auch sofort aufgefallen. Ich kannte den Film ja nicht. Ungeheuerlich, dass mir dieser Film bisher vorenthalten blieb. Liegt vielleicht an meiner ehemaligen abweisenden Haltung Animé’s gegenüber. ;)
    Später habe ich teilweise nicht mehr immer hingeschaut. Aber gehört. Die Bilder wurden alle irgendwie ähnlich und ein wenig langweilig – bis zu den letzten 30 Minuten etwa. Ab dann war es wieder ein absolutes Feuerwerk der Bilder. Wahrscheinlich habe ich mehrere schöne Szenen also verpasst. Aber es war einfach klasse das zu hören. Also mir hat der Film sehr gut gefallen. Leider kenne ich wohl zu wenige solcher Filme, um einen Lieblingsfilm zu finden. ;)

  2. Dann hast du noch ein paar mal die Gelegenheit auf ARTE:
    Nausicaä aus dem Tal der Winde – 15. April 20:15
    Prinzessin Mononoke – 19. April 20:15
    Das Schloss im Himmel – 22. April 20:15

    Wenn dir die auch teilweise zusagen, wirst du in der Zukunft zwangsläufig über Akira und Ghost in the Shell stolpern. Den Rest muss auch ich erst für mich entdecken ;)

    Ede #