Heute Abend fand eine BluRay-DVD-Double-Feature-Night statt. Lovefilm hatte uns nach einigen Komplikationen beliefert und nun hatten wir L.A. Confidential und Ben X im Briefkasten. Objektiv betrachtet, sind beide Filme sehr gut. Jedoch hat es einen Grund, dass ich letztlich nur Ben X empfehlen kann.

Und zwar sind beide Filme auf ihre eigene Art ansprechend. L.A. Confidential gehört leider zu der Sorte, die mich immer mit einem Magengrummeln zurücklässt. Wie Heat, Goodfellas oder andere gute Thriller und spannende Dramen hat der Film einen grandiosen Cast, super Schnitte und eine anspruchsvolle Story. Technisch und schauspielerisch kann ich L.A. Confidential nichts vorwerfen, aber die Story ist kompliziert und so durchdacht, dass sie kalkuliert und kalt herüberkommt. Sehr allgemein handelt sie von drei Cops, die ihre eigenen Wege gehen. Ich sah den Film und blieb emotionslos. Ich fühlte bei keinem der vielen Charaktere Sympathie. Der Film ist wie ein Lehrer, der dir alles perfekt erklärt, aber das tut er so distanziert, dass du ihm nicht den Respekt entgegenbringen kannst, den er eigentlich verdient. Ich vermisste die Menschlichkeit und die Fehler, die lockeren Sprüche und die echten Zweifel. Ein Genrenerd sieht diese Emotionen vielleicht in einer sehr feinen und reduzierten Form und es reicht ihm.
Ganz anders ist Ben X. Der Film dreht sich um einen autistischen, onlinespielsüchtigen Jungen und dessen Selbstmord. Es ist kein Hollywoodstreifen, sondern eine belgisch-niederländische Produktion, die gerade wegen ihrer einfachen Geschichte ungeahnte emotionale Tiefen erreicht. Ich sah den Film und konnte meine Augen nicht vom Fernseher lösen. Die Konflikte sind derartig intensiv, dass ich es nicht aushalten konnte, ruhig zusehen zu müssen. Ich hatte das Bedürfnis, um mich herumzuschlagen und dem Leiden ein Ende zu bereiten. Ich bin kein Autist, aber ich kenne derartige Gefühlswelten aus frühester Kindheit. Den Blick abzuwenden und sich in großen Massen innerlich zu verlieren, ist für mich nichts Ungewohntes. Ich habe aber eine Kontrolle, die Ben nicht hat und genau das tut beim Hinsehen weh. Man fühlt Mitleid. Wenn ein Film sowas schafft, hat er mehr Wert als irgendwelche Klassiker oder hochgepriesenen Oscargewinner. Außerdem tut sich solch Kleinod des Kinos besser in Lieblingsfilmlisten als Titanic, Star Wars oder Dirty Dancing. Das persönliche Lieblingstier ist ja meist auch kein großer, bekannter Elefant, Tiger oder Blauwal.
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Jo, der Ben X hatte mich damals auch sehr interessiert, aber wie das manchmal so ist, hat sich nie eine wirklich perfekte Gelegenheit geboten ihn sich anzusehen, sodass er dann irgendwann wieder in Vergessenheit geriet. :(
@Burni. Das solltest du unbedingt nachholen! Und zwar schleunigst. :P
Für mich war es ja schon das 2te Mal, dass ich Ben X gesehen hatte. Natürlich waren wenige Szenen vom inneren Auge verschwunden, doch erwartete ich einige Szenen sehnsüchtig! Es war aber irgendwie anders. Ich kannte ja nun die ganze Geschichte schon und war eigentlich gespannt, inwieweit mich die Geschichte noch in ihren Bann ziehen konnte. Es geling! Ich bin noch immer genauso begeistert wie zuvor und habe den Film noch einmal aufgefrischt. Klasse Scheibe!
l.a. confidental hat mit gerade deshalb so gut gefallen, weil er so distanziert war und die Grenzen zwischen den Guten und den Bösen nicht mehr klar waren.
ben x kenne ich nicht, aber ich werde ihn mir nach deinem Text sicherlich bald ansehen.
@Katharina: Stimmt schon. Mh… trotzdem betrübt mich leider jeder Film ohne Bezugsperson.