Mal ganz davon abgesehen, dass der gesamte Tag ziemlich verkorkst war, hatte die Englischstunde einen besonders unangenehmen Touch. Weil das Abi vorbei ist und nichts mehr ansteht, machen wir irgendwelchen Unfug in Englisch. Musik hören, Filme gucken und Spielen spielen sind angesetzt. Wesentlich lieber hätte unsere Lehrerin aber sicherlich Präsentationen von uns gehört, damit die restlichen Schultage nicht ganz so gammelig werden, wie sie bereits sind.
Zwei Präsentationen gibt es immerhin. Eine war die heutige von mir. Unter dem Titel “Internet’s Heart” wollte ich zwei Videos zeigen, die mir das WWW zu einer Schatzinsel gemacht haben, auf der man zwischen ganz viel Sand und Gestrüpp eine mit Gold gefüllte Truhe finden kann. Okay, ein Großteil des Mülls ist auch sehr unterhaltsam und ist gar nicht wegzudenken. Dennoch wollte ich heute sehr spezielle Ideen präsentieren, die man zwischen StudiVZ und Facebook schnell übersieht. Halbwegs kultivierte Nerds kennen diese Schätze, die man schwer auf Youtube, aber immer auf TED finden kann.
Mein eigentliches Thema hätte lauten sollen: “No Need of Education.” Darauf wollte ich hinaus. Ich wäre auch dazu gekommen, wenn mir nicht die veraltete Technik und die Zeit gekonnt ins Gesicht getreten hätten. Währenddessen sah ich wahrscheinlich auch genauso aus. Letztlich konnte ich nur ein Video komplett abspielen, wobei dieses so lang war, dass die Masse die Klasse zur Pause verließ. Und meine Worte waren dann auch mehr oder weniger ungehört und irrelevant in dieser Zeitlosigkeit.
Lange Rede kurzer Sinn. Die folgenden Videos sollten indirekt und direkt zeigen, dass wir uns nicht von dem Bildungssystem in die Schranken weisen lassen dürfen (Triple Verb Combo!).
Für mich persönlich ist dies eins der schönsten Videos des Internets. Ich verstehe, dass Leute auch nur einen dicklichen jungen Mann dumm tanzen sehen, aber es ist keinesfalls gerechtfertigt es darauf herunterzubrechen. Erstens bringt dieses Video ein wahnsinnig schönes und unbeschreibliches Gefühl hervor. Das liegt an den vielen Orten, an den unzähligen Menschen und dem multikulturellen Verbund daraus. Wir sehen hier im Tanz eine Konstante, die die ganze Welt verbindet. Zweitens ist der Hintergrund interessant. Matt Harding ist ein Durchschnittsbürger, der schlecht in der Schule war und Videogamedesigner wurde. Er nutzte die Chance, nach Australien zu gehen und merkte dort, dass er nichts erreicht hatte und reiste mit seinen Ersparnissen um die Welt, bis er berühmt wurde. Er reiste weiter, tanzte, drehte Videos und kann heute mehr erzählen als die meisten Akademiker.
(Ken Robinson says schools kill creativity)
“Where the Hell is Matt” ist sehr emotional. Ken Robinsons Rede ist hingegen auf rationaler Ebene äußerst faszinierend. 1950 in bescheidenen Verhältnissen geboren, ist Robinson heute ein weltweit anerkannter Autor und Berater zum Thema Kreativität. Er vertritt vollkommen mein Verständnis vom effektiven Nutzen unserer Talente: Wir zwängen nämlich Kinder in ein geradliniges System, welches in dieser Form seit der Industrialisierung besteht und nur diesem nutzt, anstatt sie offen und individuell nach ihren Fähigkeiten und Neigungen zu erziehen. Mit viel Wortwitz und tollen Anekdoten verpackt dies Sir Robinson aber weitaus besser und unterhaltsamer. Es mag idealistisch und utopisch klingen, doch gerade dies macht den Reiz seiner Weltanschauung aus.
Wirklich sehr sehenswert,
vor allem, wenn man bedenkt, dass man bei der Flut aus Videos, die man jeden Tag auf Youtube findet, nahezu jedes wegklickt, das nicht sofort nach unkomplizierten Spaß aussieht.
Ich habe das Video gerade erst gesehen, und ich bin echt sprachlos. Was für eine wundervolle Idee und was für ein wundervolles Video.
Ken Robinson ist mein persönlicher Held. Der Mann ist genial.