16. Mai 2010

Vom Erwachsenwerden

Als kleiner Bub dachte ich immer, alles würde so bleiben, wie es ist. Die Eltern seien unsterblich, der Fernseher wäre für immer meine Unterhaltungsquelle Nummer eins und mit den teuren YuGiOh-Karten würde ich ewig spielen. Heute sehe ich meinen grauhaarigen Vater, sitze den halben Tag vor dem Laptop und räume mein altes Spielzeug auf den Dachboden. Was ist geschehen?

Ich hatte sehr lange die naive Vorstellung, man würde nur äußerlich wachsen. Mit Kinderaugen sah ich die vielen Erwachsenen und wusste, dass sie auch mal die gleichen Augen hatten. Mein Inneres, meine Seele oder mein Gehirn waren für mich aber immer etwas Vollendetes. Mein reifender Körper konservierte quasi mein inneres Selbst. Mir fehlte die Erfahrung. Ich wusste nicht, dass Gedanken und Meinungen wie der Körper wachsen, wuchern und sich verändern können, weil mein Wissen klare Grenzen hatte.

Wenn ich heute meine 19 Lebensjahre zurückverfolge, gibt es Dinge, die ich selbstverständlich hinter mir gelassen habe. Z.B. Plüschtiere und Samstagmorgen-Zeichentrickserien. Andererseits fällt es mir schwer, zu glauben, dass sich mein Humor so grotesk verändert hat und dass ich Mathe plötzlich derart lächerlich finde. Wieso spiele ich nicht mehr mit den Nachbarskindern auf der Straße Fußball und im Wald verstecken?

Es ist seltsam faszinierend, wie all die Vorwürfe, die man Erwachsenen gemacht hat und vor denen man sich zu schützen versucht hat, nun fließend in das eigene Leben übergehen und Oberhand gewinnen. Auch wenn man im Glauben, man könnte sich von den Erwachsenen abgrenzen und das kindliche Selbst erhalten, andere Medien konsumiert und andere Mode getragen hat, wird man am Ende gar nicht so anders sein als der Vater und die Mutter.

Kommentare

  1. Power Rangers, Art Attack, Dragon Ball und Mickey-Maus-Hefte, …

    Was vermisst Ihr aus Kindertagen?

    Ede #
  2. Ich finde das Thema und deine Sichtweise dazu sehr interessant, aber bei dir klingt das ein bisschen so, als sei das erwachsenwerden etwas Zwanghaftes, gegen das man sich zwar zu wehren versucht, aber am Ende kläglich scheitert.
    Ich bin jedoch der Meinung, dass man immer und zu jeder Zeit selbst entscheiden kann, wer man ist und sich niemals in eine Rolle drängen (lassen) muss. Die Veränderung durch das Älter-Werden ist doch nur eine Konsequenz aus unserem bisherigen Leben und niemals etwas negatives. Man kann ja schließlich immernoch Dragon Ball gucken oder ähnliches ohne sich schämen zu müssen. Ich schäme mich für gar nichts und bin mir durchaus bewusst, dass mich viele Menschen für kindisch halten oder den Kopf über mich schütteln. Das ist mir egal. Und diese Einstellung verdanke ich genau diesem Erwachsenwerden.
    Ich bin ich und ich bereue nichts in meinem Leben, denn es hat mich zu dem gemacht das ich heute bin. Wer weiß wo ich heute wäre, wenn ich nicht so manchen Fehler in der Vergangenheit gemacht hätte.
    Ich denke Erwachsenwerden ist etwas positives, dass uns zwar verändert, aber wir lassen diese Veränderung doch zu, oder irre ich mich da?

    Anna #
  3. @Anna: Ich habe nie geschrieben, dass ich es schlecht finde. Es sind reine Beobachtungen. Und ich bin niemand, der das Älterwerden und das Zurücklassen alter Werte und Neigungen als negativ empfindet.
    Aber danke für Deinen Beitrag. Auch ich schäme mich nicht für Animes, meinen DS oder Spielzeug aus dem Happy Meal. ;D

    Ede #