16. Mai 2010

Vom privaten Bloggen

Um eines gleich klarzustellen: es soll hier nicht um Linkschleudern gehen. Davon gibt es im Netz genug, gute wie auch schlechte. Wenn man zu den guten gehören will, braucht man Geschmack und Zeit… nur so nebenbei.

Ich möchte über das privateste unter den privaten Blogformaten philosophieren. Und dabei soll es nicht um intime Pornoblogs gehen. Ich meine so etwas wie edelicious. Zumindest versuche ich dahingehend zu bloggen. Es geht um das Leben einer Person. Meistens das sehr reale Leben mit den guten sowie den schlechten Seiten. Das was man sich klassisch unter Blogs vorstellt: Eine Art öffentliches Web-Tagebuch, welches chronologisch Texte, Bilder und Videos präsentiert.

Was man ultraprivaten Blogs immer wieder gern vorwerfen kann, ist die Prostitution des eigenen Lebens. Andererseits kann man den Lesern Voyeurismus vorwerfen. Allerdings kann man dann gleich das gesamte Web 2.0 inklusive Facebook und Youtube verfluchen. Und wer das tut, soll sich doch einfach raushalten, anstatt den anderen den digitalen Austausch zu vermiesen. Wenn mir etwas nicht schmeckt, esse ich es nicht, anstatt es herunterzuschlingen und obendrein noch den Koch zu kritisieren.

Aber zurück zum Thema: Man sollte meinen, auch private Blogs gäbe es ausreichend im Internet. Das stimmt allerdings nur solange man keinen Wert in einzelnen Lebensgeschichten sieht. Wenn man zu faul ist, das Besondere und Individuelle aus einer Person herauszufiltern, hat man auch kein Interesse dies zehn mal zu tun. Anderen Menschen fehlt die Relevanz und wiederum andere empfinden zu viel Distanz. Es gibt also genug Hürden das private Bloggen als solches wertzuschätzen.

Am einfachsten fällt der Kontakt, wenn man den Blogger persönlich kennt. Die Texte werden dann zu Gedanken, die der Leser ins reale Leben projizieren kann. Dies kann positive Verbindungen schaffen oder negative Reibereien provozieren (vorallem dann, wenn man ehrlich und offen bloggt). Fremde Leser können bei guten Geschichten, vielen Bildern und netten Kommentaren auch eine wichtige Nähe aufbauen.

Dabei spielen Inhalt und Form natürlich eine wichtige Rolle. Der Blog sollte visuell ansprechend, bzw. praktisch sein. Also das Gegenteil von Beepworld- und Oyla-Websites. Wenn der Autor dann noch die deutsche Sprache beherrscht, kann er sich auf das Wichtigste konzentrieren – auf den Inhalt. Dieser entscheidet über die Qualität. Man kann durch stilistisch gute Anekdoten oder durch ansprechende Themen brillieren. Denn solange man sich nicht einem Hauptthema verschrieben hat, werden die persönlichen Texte letztlich doch durch eigene Interessen geprägt. Und das ist gut so. Dann hat man zwar nicht die Dichte eines Expertenblogs, aber man erreicht ein lockeres Andeuten und Anschneiden vieler Themen. So charakterisiert sich der Blogger indirekt und lockt Gleichgesinnte an.

Das tolle an privaten Blogs ist, dass man nur eine geringe Verantwortung hat. Man muss sich nicht für Rechtschreibfehler entschuldigen und inhaltliche Schwächen werden auch nur von den übelsten Trolls harsch kritisiert. Das einzige, was der Leser investiert, ist seine Zeit. Dafür ist er selbst verantwortlich. Er bezahlt nicht für den Quark, den er liest und hat auch sonst keine Bindung.

Wie kann aber eine öffentliche Internetseite private Themen ansprechen? Sollte ein privater Blog vielleicht einen Passwortschutz haben, mit dem sich nur der Autor und etwaige Freunde einloggen können? Es hat schon etwas Paradoxes, wenn man “privat” bloggt, aber “öffentlich” viele unterschiedliche Leser erreicht. Ich glaube, was Kolumnen für die Zeitung sind, sind sog. private Blogs für die Bloggosphäre. Sie sind die subjektivste Form ihrer Gattung. Denn so offen und privat die Blogs auch sind, können sie niemals das gesamte Leben des Autors reflektieren. Sie stellen nur eine Auswahl des privaten Lebens und der subjektiven Meinung dar. Sie sind ein Fenster. Welches Zimmer sich dahinter befindet, hängt vom jeweiligen Blogger ab. Der eine zeigt sein chaotisches Büro und der nächste präsentiert sein blank poliertes Wohnzimmer.

Kommentar

  1. Dieser Post hatte übrigens keinerlei Hintergründe oder Intentionen. You know.

    Ede #