20. Mai 2010

Strg+Z

Es gibt nicht viel, was ich in meinem Leben rückgängig machen will und es ist von Jahr zu Jahr etwas anderes. In diesem Moment würde ich am liebsten meine grässliche Konfirmation löschen und den Tag, an dem ich optimistisch dem Abizeitungsausschuss beitrat. Wegen meiner Konfirmation musste ich ein Jahr lang mit unangenehmen Menschen verbringen. Wegen der Abizeitung bin ich in den letzten Wochen zu einem unangenehmen Menschen geworden.

Es gibt leider bestimmte Aufgaben und Lasten, die zu schlechten Eigenschaften führen. Nicht immer, aber häufig bei Positionen in Politik, Wirtschaft und Journalismus. Leider realisieren die wenigsten (auch ich viel zu selten), dass es meistens keine schlechten Menschen sind, sondern Menschen, die ihre Arbeit erledigen. Lohnkürzungen sind ja für jeden einzelnen schlecht, aber es bewahrt die Masse vor Arbeitslosigkeit. Steuererhöhungen fußen ja auch nicht auf Misanthropie. Und wenn ich mal wieder wegen Texten und Fotos Dampf mache und unfreundliche kurze Antworten gebe, dann ist das nichts Persönliches. Ich bin einfach nur unter Zeitdruck und möchte so viel wie möglich erreichen.

Rückgängig hin, rückgängig her. Letztlich bin ich Verfechter der Theorie, dass man aus Fehlern lernt. Wenn man sich also Tag ein Tag aus in eine Zeitmaschine setzen und Fehler rückgängig machen würde, dann glaube ich, dass dadurch nur wenige Menschen glücklicher wären. Jetzt für den Moment fühle ich mich so, wie es mir vielleicht einige Leute wünschen. Wenn aber alles vorbei ist, kann ich wieder ich selbst sein – und bin noch klüger.