18. Juni 2010

ABI looking for Freedom

Ohne die klischeehaften amerikanischen Abschlusshüte saßen wir heute ein letztes mal zusammen als Jahrgang in der Stadthalle. Die Verabschiedung mit zugehöriger Zeugnisvergabe war zum Greifen nah. Doch anstatt uns einfach das bedruckte und unterschriebene Stück Papier vor der Eltern- und Lehrerschaft in die Hände zu drücken, um rechtzeitig die Niederlage Deutschlands gegen Serbien verfluchen zu können, mussten wir uns zweieinhalb Stunden lobes- und zukunftsschwangere Worte reinziehen.

Die meisten schwitzten im Anzug und Kleid, während auf der Bühne ein Vertreter den nächsten jagte. Direktor, Mutter, Ehemaliger, Tutor, Fachbereichslehrer und Abiturient. Ich rechnete mit 10% Unterhaltung. Doch stattdessen lag die Quote überraschend hoch bei 25%. Der Bürgermeister würzte seine Worte mit Fußballmetaphern, einige Mitschüler sorgten zwischendurch für angenehme Gesangs- und Tanzeinlagen, unser Herr Ehemaliger machte den ersten Teil seiner Rede dadurch interessant, dass er unser Motto (Association of Being Intelligent) auseinander nahm und zynisch auf dessen Wahrheitsgehalt prüfte und abschließend lauschte man nur all zu gerne den jungen Worten unseres Jahrgangssprechers. Der Rest hatte, wie erwartet, eine Dosis Langeweile, Strenge und Ernst zu viel intus.

Ohnehin konnte ich der ganzen Veranstaltung weder Ernst noch Wichtigkeit zusprechen. Das mag einerseits an der Unnötigkeit der Tradition liegen und andererseits daran, dass ich ohnehin nochmal in die Schule kommen muss und die meisten wirklich ein letztes mal beim Abiball sehe. Den echten Abschied erwarte ich also noch.

Kommentare

  1. Also die Rede vom Bürgermeister mit den Löw Zitaten war ja mal das dämlichste und stumpfeste überhaupt. Die Zitate waren komplett Sinnentleert und unpassend meiner Meinung nach.
    Aber beim Rest kann ich dir einfach so zustimmen wies da steht. Generell wars aber einfach zu lang und jedenfalls die Ehrungen für die Fachbereiche waren komplett überflüssig und ne Frechheit weil sowieso immer die gleichen Schüler da vorne standen.

    Bob #
  2. Dass der werte Herr Bürgermeister ein weiteres Mal seine Inkompetenz mit selbstbeweihräuchertem Geschwafel kundtun musste, war mir bereits Tage vorher klar. Die Fußballmetaphern, wie Bob schon gesagt hat, hätten in kleinen Dosen Gutes getan, waren allerdings viel zu viel und unpassend eingestreut. Aber das kennt man ja von ihm.

    Die Ehrungen, auch wenn ich unter eurer Schmach gestehen muss, dass ich auch einige Male vorne stand, waren manchmal gerechtfertigt, manchmal zu engstirnig und geradlinig vergeben. Für mich bedeutet Leistung nicht nur eine achtjährige Anwesenheit im Schulchor oder das gelegentliche Tröten einer Posaune, sondern dass man sich stark macht für seine Mitschüler und sich. Das wurde zu wenig oder fast gar nicht geehrt. Und wir müssen uns klar sein: Alle, die das Abitur bestanden haben, sind es wert, an diesem Tag geehrt zu werden, was ganz klar zu kurz kam.

    Alles in allem, ein durchschnittlicher, wie erwarteter Abschluss. Nur die Rede von Herrn Dr. Laabs war zu lang, wenn auch eloquent und bisweilen unterhaltsam.

    Aber naja, Leute. Jetzt geht’s los und wir rocken das.

  3. Ich fand ja Herr Weskamp ultrafa1lig. Vom Bürgermeister gar nicht zu sprechen. Nun ja. Wenigstens haben wir es alle hinter uns gebracht.

    Für mich ist das endgültige “Ende” aber auch nicht heute gewesen, dafür war es zu groß. Viel zu groß.