23. Juni 2010

Zuhause

Mit dem Ende der Schulzeit endet auch ein gemeinsamer Weg. Der gemeinsame Nenner fällt weg und jeder sucht sich neue Verknüpfungen. Das ist zwar klar und selbstverständlich, aber ich war bislang viel zu naiv, um zu realisieren, dass das dieser Zustand nun endgültig eintritt. Die ehemalige Konstellation ist zerstört. Das habe ich noch nicht richtig verstanden, weil ich mit meinem FSJ ein offenes Ende und eine potentielle Rückkehr verbinde. Viele andere Freunde studieren jedoch und zwar nicht hier in Nordhessen, sondern überall in Deutschland. Was für mich ein kurzer Trip nach Südhessen sein wird, ist bei den meisten ein richtiger Umzug. Ich nehme meine Urlaubstasche mit, während die anderen diese brauchen werden, wenn sie ihre Eltern besuchen. Meine Zukunft ist bislang viel zu kurzfristig gedacht, als dass ich damit ein vollwertiges neues Leben verbinden könnte.

Mein Zuhause bleibt noch mindestens ein Jahr lang mein Zimmer im ersten Obergeschoss bei meinen Eltern direkt über der Küche, in der Mama immer so lecker kocht. Erst wenn ich eine langfristige Zukunft in einer anderen Stadt sehe, verstehe ich endgültig, dass ich und meine Freunde unsere Elternhäuser für ein neues Leben verlassen haben. Ich will das noch immer nicht so recht wahrhaben, weil eine eigene Wohnung für mich das Kind in einem Menschen verschwinden lässt. Bislang kann ich mir nicht vorstellen, dass wir nicht mehr Söhne und Töchter von unseren Eltern sind. Und ich lese schon die Kommentare, die prophezeien, dass wir das immer bleiben werden. Ich für meinen Teil schon, aber alle anderen um mich herum nicht mehr. Denn sobald die Freundin und der Freund nicht mehr bei Mama und Papa wohnen, wird man wenig bis gar nichts mehr von den Eltern des Gegenübers mitbekommen. Und so verschwinden die Eltern mit einem neuen Zuhause. Und aus den Kindern werden eigenständige Individuen. Unfassbar, dass es schon soweit ist.

Kommentar

  1. Man möchte noch gar nicht realisieren, dass sich jetzt alles ändert. Ich glaube viele fühlen sich im Moment einfach von der Last der Schule befreit, freuen sich über die aufgehobene Anwesenheitspflicht oder frönen sonstwie ihrem einfachen Lebensstil. Die Tatsache, dass alles, was man die letzten Jahre gewohnt war, jetzt nicht mehr so ist.

    Ich persönlich freue mich zwar sehr auf das Studium, die eigene Wohnung und einen weiteren Schritt Richtung Selbstständigkeit, allerdings vermisse ich jetzt schon den gewohnten Trott.

    Die Zeit von Anfang der 13 bis jetzt ging einfach unglaublich schnell rum, und man merkt erst jetzt, was man alles hatte. Traurig um nervige Geschichtsstunden bin ich zwar nicht, aber das Gesamtpaket war halt doch nicht so schlimm, wie immer angenommen.

    Wie du schon sagtest: Unfassbar, dass es schon soweit ist.