24. Juni 2010

Abigag 2010

Es ist 1:35 Uhr. Ich war soeben auf dem Schulhof. Mit 15 bis 20 Mitstreitern hatte ich gerechnet. Doch es waren sogar doppelt so viele, die unserer ehemaligen Schule endlich wieder einen denkwürdigen Abigag schenken wollten. Seitdem ich an diesem Gymnasium bin, kann ich mich nur an einen einzigen guten Streich der Abiturientenjahrgänge erinnern. Das war in der 5. oder 6. Klasse und ich weiß nur noch, dass die Eingänge abgeschlossen waren und dass wir mit Wasserpistolen auf den Sportplatz getrieben worden. Die folgenden Jahrgänge parodierten und mimten sich gegenseitig. Immer war es ein großer Circus, dessen Datum bereits lange bekannt war und an dem nur die kleinsten unter den Kleinen Spaß hatten. Schminken, Lehrerquiz, Cocktailbar, kleine Spiele und Lehrer-Schülerfußball. Der Gag wurde in den letzten Jahren zu einem Aktionstag umfunktioniert, dessen Regeln straff und vorhersehbar waren.

Doch dieses Jahr wird Blut fließen. Zwar werden wir den Schülern Menschenkicker, einen Parcours und Lehrer-Schüler-Beachvolleyball bieten, aber das ist nur der Abschluss des großen Chaos. Wir standen vor wenigen Stunden mit einem Traktor samt Anhänger und Heuballen auf dem Lehrerparkplatz und wurden vom Ordnungsamt beschattet. Scheinbar hatte die Schulleitung von der Aktion Wind bekommen. Deutschland hatte gewonnen, sodass die Geräuschkulisse durch einen lärmenden Autokorso ohnehin ihren Höchstpegel erreicht hat und wir fielen akustisch nicht weiter auf. Dennoch war die Menschenmasse Grund genug, dass die Polizei vorbeischaute. Wir setzten uns wie alte Demohasen hin und verströmten Pazifismus. Die Polizisten verstanden schnell, dass wir den Abigag vorbereiten wollten. Die Situation blieb ruhig und wurde zu einem Fest der Lockerheit, als einer unserer Mitschüler auf den Polizisten zuging, ihm die Hand gab und locker grüßte. Das Gesetz war auf unserer Seite. Ein Freund und Helfer ging sogleich zu den bürgerlichen Ordnungshütern und klärte die Situation. Nach dem Gespräch kam der Herr Wachmeister zu uns gestapft und bat uns nur darum, nichts zu beschädigen. Tosender Applaus. Streifenwagen und Ordnungsamt waren weg und unsere Zeit war gekommen.

Die Heuballen versperrten die Haupteingänge. Wollfäden zogen sich über den gesamten Schulhof von Baum zu Baum und von Zaun zu Zaun. Ein Durchkommen war nur noch den Turnern oder den aggressiven Grobmotorikern möglich. Außerdem wurden Hunderte Luftballons aufgeblasen, an die Fäden gebunden und für den Morgen gelagert. Denn dann sollte der Spaß beginnen. Wir überlegen uns bis dahin noch, ob wir den Lehrerparkplatz zuparken und was wir mit den vielen Ballons und Kartons machen sollen. Der Tag des letzten Streiches soll kommen. Wenn man uns schon hasst, dann auch richtig!

Kommentar

  1. Yeah! Schauen wir mal, was draus wird. ;)