
Nun heißt es erneut vier Jahre warten. Auf Fan-Meilen, auf den deutschen Sieg und auf einen neuen Monat geballter Euphorie. Anfangs war ich so gar nicht in WM-Stimmung. Doch es reichten die ersten zwei Spiele, um mich bei praller Sonne auf das Sofa zu fesseln. Anfangs glaubte ich keinen Meter an das deutsche Team. Ich ahnte nicht, dass sie zaubern können. Anfangs fühlte ich mich wie ein U-Boot-Christ, der nur zu Weihnachten in der Kirche auftaucht. Jetzt glaube ich sogar, dass ich U-Boot-Fußballer ausnahmsweise die Bundesliga verfolgen werde.
Südafrika hat sicherlich Spuren bei mir hinterlassen. Es war zwar nicht die perfekte WM, aber die mediale Abwechslung und die vielen Ereignisse verdienen ein paar Gedankenfetzen.
Es war die WM…
- … Afrikas. Südafrika zeigte der Welt, dass der gebeutelte Kontinent mehr als nur durch Gewalt, Drogen und AIDS auf sich aufmerksam machen kann.
- … Deutschlands. Jung und dynamisch überraschte Jogi Löws Kader die Welt und heimste globale Aufmerksamkeit und Lob ein. Man verlor zwar, aber erneut gegen den Sieger des Turniers.
- … ohne Tore. Neben den deutschen Spielen und Nordkoreas Klatsche gegen Portugal enttäuschte die magere Trefferquote vor allem zu Beginn des Turniers.
- … der Fehleintscheidungen. Solch ein professioneller und durchkommerzialisierter Sportverband wie die FIFA sollte ihren Schiedsrichtern die Arbeit erleichtern und die Fehler durch technische Hilfsmittel minimieren. Das Turnier hätte ein anderes, faires Turnier sein können.
- … des Orkrakels. Paul prophezeite die deutschen Siege und die Niederlage gegen Spanien. Man mag dem Oberhausener Kraken Magie und animalische Buchmacherei zusprechen… oder man sieht ein, dass jede Entscheidung ein 50:50-Zufall war.
- … der furchtbaren WM-Musik.
- … des Thomas Müller. Er ist WM-Torschützenkönig, bester junger Spieler und des Fußballs Lena Meyer-Landrut. Authentisch, frech und bodenständig.
- … meines Abiturs. Wenige Tage nach den letzten Prüfungen konnte ich theoretisch alle Spiele live und ohne jeglichen Druck verfolgen. Ich hatte die Schule hinter mich gebracht und konnte arbeitslos und glücklich die tägliche Ladung Fußball tanken.