28. Juli 2010

Das Ende der Welt

Ein Protagonist. Sein Handeln. Sein Denken. Details erscheinen komisch und fremdartig, aber der gesetzte Rahmen sprengt nicht die Grenzen der eigenen Vorstellungskraft. Die Hauptfigur hat Ecken und Kanten und wirkt hier und da unnatürlich, aber seine Umgebung absorbiert diesen Eindruck. Ein Verrückter unter tausend Normalen hat nämlich seine Daseinsberechtigung.

Man setzt einen weiteren Fuß in die dichte Welt, sieht sich um und macht es sich gemütlich. Alles erscheint nett und friedlich, obwohl im Untergrund stets Gefahr lauert. Manch einer würde von mangelnder Spannung reden, ich sehe darin den genialen Einsatz von Suspense. Stets erwartet man das offensichtliche Unglück und entfernt sich mit jedem Gedanken daran von der ursprünglichen Wirklichkeit. Die Atmosphäre wird Stück für Stück in einen See aus Surrealität getaucht. Und obwohl man sich entgegen der Realität bewegt, wirkt der Traum logischer als die gelebte Logik.

Es sind moderne Märchen, die Haruki Murakami schreibt. Eine Symbiose aus fernöstlicher und westlicher Kultur auf Papier gebannt. Nach “Kafka am Strand” habe ich nun “Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt” verschlungen. Und wieder hatte ich dieses schönste aller Gefühle beim Lesen. Ein Gefühl, welches mir bislang nur Japaner vermitteln können. Was ein Murakami mit Literatur schafft, schafft Hayao Miyazaki mit Filmen. Beide Männer erzählen Geschichten und entwerfen Bilder, in die ich eintauche und in denen ich ganz und gar aufgehe. Den Protagonisten geht es zwar mächtig an den Kragen, aber ich möchte zu jeder Zeit an ihrer Seite stehen, die Natur mit neuen Augen betrachten und mit den schönsten aller Frauen schlafen.

Mein Geschmack mag zwar eigen sein und die ausschweifenden Gedanken, die Murakami permanent einwirft, mögen Max und Maria Mustermann ein Dorn im Auge sein, aber dennoch möchte ich allen Träumern und Möchtegernhippies die Welt des Haruki Murakamis ans Herz legen.