
Mal ganz davon abgesehen, dass meine Laune an diesem Abend abgrundtief ekelhaft war, fand ich das Theaterstück doch ziemlich geil. Alles war auf Englisch, denn wir waren im English Theatre in Frankfurt. Wir saßen erste Reihe. Ganz alleine. Drei Menschen. Mittig. Hinter uns: ein voller Saal. Keine Ahnung, welche Umstände und Beziehungen uns dort plaziert hatten, aber es hatte was. Man konnte die Beine ausstrecken. Oder den Speichel der Schauspieler sammeln. Ganz toll also.
In dem Stück ging es um Schuld, soziale Verhältnisse und so Krimikram halt. Manch ein Journalist würde das Wort Familientragödie ein bis zwei Mal verwenden. Die Schauspieler mussten nämlich weinen, schreien und ganz verschreckt gucken. Gar nicht so einfach. Und deswegen ganz toll umgesetzt. Die Rollen waren wirklich perfekt besetzt. Jedes Gesicht weckte Emotionen in mir.
Nach drei vergangenen Stunden war das Kammerstück vorbei und nach drei Gedanken war es auch wieder vergessen. Als wohltuend abgespeichert in den kulturellen Gefilden meiner Hirnrinde.