28. Juli 2011

FSJ-Fortsetzung.

Diese WG mit all ihren Tücken und diesem einzigartigen Wohlsein. Diese Arbeit mit all ihrem Stress und diesen zuckersüßen Momenten. Diese Menschen mit all ihren Problemen und diesen wunderschönen Gefühlen. Ich bin immer noch drin. Die Neuen sind da und ich habe mein Zimmer verlagern müssen, aber ich spüre noch immer den Geist des Projekts, der mich ein Jahr erfüllte.

Die Woche in der Heimat, wo sich Langeweile und Sinnlosigkeit immer wieder erbitterte Schlachten liefern, gab mir endgültig das Gefühl, nicht mehr Zuhause zu sein. Denn: Home is wherever I’m with you. Kaum war ich wieder in Offenbach überschlugen sich die Witze, Insider und Anekdoten und ich fühlte, wie sich ein Schauer Glück über mich und meine strengen Gedanken ergoss. Und das ausgerechnet dann, als ich ernsthaft und gezielt über meine Zukunft als Student nachdachte.

Jetzt bin ich wieder hier und blind für den Ernst des Lebens. Gelähmt für das Gefühl von Schmerz. Draußen kann es regnen, stürmen oder schneien, hier scheint immer die Sonne. Natürlich gibt es auch verzweifelte Momente, in denen man sich fallen lässt, aber früher oder später wird man gefangen oder rafft sich von selbst auf. Denn das lernt man hier: Kraft tanken und Liebe schenken.

Das neue Team wird das auch noch begreifen. Vielleicht haben sie es schon. Auf alle Fälle spüren sie es. Sie tragen den Geist bereits in sich. Das sehe an den lachenden Gesichtern und an den motivierten Gesten. Sie tragen zwar den gleichen Geist in sich, aber sie sind anders als mein Team. Es hat lange gebraucht, bis wir gemeinsam im Wohnzimmer saßen und zur Gitarre sangen. Unsere Nachfolger brauchten einen Eingewöhnungstag, bis die ersten Saiten rissen und ein Dutzend Gesangsbücher todgeblättert wurden. Wir sind jetzt sechzehn Leute in der WG. Mehr als die Hälfte könnte mit Instrumenten versorgt werden. Selten hört man nur einen Gitarristen spielen.

Wir sind vier Männer. Nur zwei davon sind fester Bestandteil des Teams. Auf diese zwei Hähne kommen zehn Frauen. Wir hatten dieses Jahr mächtig Schwierigkeiten Männer für ein ehrenamtliches Jahr zu gewinnen. Ich nehme an, das lag in erster Linie an dem Wegfall von Wehr- und Zivildienst. Außerdem besteht das halbe Team aus Geschwistern Ehemaliger. Wir betreiben halt Vetternwirtschaft, wenn die Leute keinen Bock auf das tollste Jahr ihres Lebens haben.

Ich hatte meines bereits. Fast vor genau einem Jahr hatte ich begonnen. Und ich konnte nicht damit aufhören. Wenn es so weitergeht, bleibe ich noch länger als geplant. Ich mag es nämlich wieder. Nachdem ich kurz wehleidig Abschiedsgedanken hegte, möchte ich nicht noch ein Team verlassen. Zwar bleibt mein Jahrgang der beste aller Zeiten, aber die Neuen konnten mein Herz in Windeseile erobern.