28. Oktober 2011

Casper in Kassel.

Das Licht geht aus und die Menge schreit, als ginge es um unser aller Leben. Gerade als der Schrei zu ersticken droht, beginnt die Musik sich in die Ohren jedes einzelnen zu bohren. Zwischen den Nebelschwaden stechen Lichtsäulen heraus. Casper betritt die Bühne, alles um mich herum kreischt. Auch er trägt eine Wolfsmaske mit leuchtenden Augen, wie seine vier Bandkollegen. Mit “Der Druck steigt” eröffnet der Messias des deutschen Raps seine Show. Hallende Chöre und wummernde Bässe lassen die Menge im flackernden Licht toben. Casper zieht die Maske ab und es folgen 90 Minuten bester Hip-Hop-Unterhaltung.

Wer hätte gedacht, dass ich mich mal in einen ausverkauften Club quetschen müsste, um diesen Sonderling der Szene sehen zu können. Ich meine nicht, dass er diesen Erfolg nie verdient hätte, aber es ist irgendwie ein kleines Wunder, wenn ich an unsere erste Begegnung zurückdenke. Im Sommer 2008 war ich mit Max auf dem Splash!-Festival. Er erzählte mir begeistert von Casper. Jedoch etwas vorsichtig, weil er sich seiner Eigenarten bewusst war. Casper war nämlich der “Emo-Rapper” mit der Kehlkopfkrebsstimme. Er hatte am letzten Tag des Festivals einen Auftritt auf der Mainstage. Dieser Auftritt war (um das vorwegzunehmen) großartig, weil er voller Leidenschaft und ohne Gangster-Attitüden durchgezogen wurde.

Begegnet bin ich ihm aber schon zuvor. Max und ich schlenderten nachmittags über das schwach bevölkerte Festivalgelände, bis er in eine Richtung deutete und mir zuflüsterte, dass da Casper steht. Einfach so. Mit einem Rapkollegen. Er stand fünf Meter entfernt. Total unberührt, denn keiner kam auf ihn zu. Ich schlug naiv vor, zu ihm zu gehen und ihn um ein Autogramm zu bitten. Doch Max war sicher, dass wir ihn besser nicht belästigen sollten. Ich kannte den Mann ja nicht, also gab ich nach. Bis heute bereue ich diese Entscheidung. Wie ich nämlich später feststellen durfte, liebt er den Kontakt zu Fans. Natürlich wäre dieses unbedeutende Gespräch erst heute wichtig geworden, nämlich mit dem Erfolg Caspers und der Verbindung, die ich zu seiner Musik aufgebaut habe. Damals hätte ich nicht viel mehr als ein “Hallo! Ich kenne deine Musik nicht, aber ich freue mich auf deinen Auftritt.” loswerden können. Das Fehlen dieses ersten Kontakts nagt bis heute an mir.

In diesem Moment hat er 239.833 Fans auf Facebook. Ich weiß noch, als er sich über 10.000 gefreut hat. Damals war ich einer von Wenigen, jetzt verschwinde ich in der Masse. Allerdings nicht ganz unbemerkt. Immerhin folgt er meinem Tumblog und zitiert meine Tweets. Es ist kein Autogramm, aber immerhin ein kleiner Genuss für einen Fan.

Zurück zum Konzert im Musiktheater: Es war grandios! Wenn jemand, der Hitparade ihren Namen gegeben hat, dann Casper. Ich habe kaum einen Klassiker vermisst. (Erst jetzt fällt mir das Fehlen von “Lippenlesen” auf.) Fast das komplette neue Album wurde live zelebriert. Besonders habe ich mich über “Die letzte Gang der Stadt” gefreut. Bei anderen Hip-Hop-Konzerten gehen nur die ersten paar Reihen so richtig ab. Bei Cas ist das anders. Alle haben mitgeswagt und mehr geschwitzt als ein Saunagänger. Casper wusste schon immer, wie er sich auf der Bühne verausgabt, doch jetzt dirigiert er auch sein Publikum zur exzessiven Dehydrierung. Zum Abschluss ließ er noch ein paar Stimmbänder reißen, als er mit den Fans “So perfekt” performte.

Danke Casper. Du hast Dich übertroffen. Aber das kann man steigern…, indem ich endlich ein Autogramm bekomme. ;)

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