
Vor gut zwei Monaten trieb es mich in Hessens Landeshauptstadt Wiesbaden. Dort fand das Folklore Festival statt, von dem ich nicht all zu viel wusste, außer dass dort Musik gespielt werden würde, die ich mochte. Doch zunächst hatte keiner Bock hinzufahren. Die WG entschloss sich nach Monsun-artigen Regenfällen nur widerwillig zur Reise. Auf Grund von Loyalität und diversen Beziehungen sind wir dann doch los, um bei Sonnenschein anzukommen. Nach einer halben Stunde Schlange Stehen gewannen wir mal eben ein Schweißband für unsere authentische Perfomance des WM-Hits “54, 74, 90, 2010″. Der Applaus hallt noch bis heute nach, doch für eine Karriere als Straßenmusikant war ich bislang zu unentschlossen.
Act Nummer eins war Pohlmann, den wir ohne Schuldgefühle verpassten. Die Nummer zwei war Indiegott Thees Uhlmann, der sich nun neben Tomte auch Solo versucht und gefühlt als Opa die Bühne rockte. Anschließend stand er auf dem Gelände herum und ich hatte aus meiner Schmach gelernt und bin schnurrstracks auf ihn zugegangen, um ihm zu danken, dass er Casper so krass supportet. Wir haben nicht nur minutenlang über die deutsche Musikszene geredet, er hat sich außerdem ganz hip-hopesque mit einem Fistbump von mir verabschiedet. Ein epischer Moment, den ich in meiner Erinnerung in Zeitlupe gespeichert und mit dramatischer Musik untermalt habe.
Auf der Nebenbühne folgten Irie Révoltés, die uns mit feierwütigem Reggae und Ska ordentlich einheizten, bevor Wir sind Helden ihre Klassiker voller Herz performten. Und als wären das nicht schon genug Bands für läppische 10€ Eintritt gewesen, spendierten uns Deichkinds Kinder Frittenbude ein fulminants Finale voller Gekuschel und Gequetsche. Kaputt, aber glücklich fuhren wir durch die letzte Spätsommernacht zurück nach Offenbach. Tolle Sache, dieses Folklore!