4. September 2010

Jetzt bin ich bereits seit einem Monat FSJler und schreibe erst jetzt über meine dritte Woche. Es handelt sich dabei um eine äußerst ereignisreiche Woche, die mein gedächtnisschwaches Hirn nur bedingt in seiner Gänze wiedergeben kann. Eins weiß ich noch ganz sicher…
Es fing auf Sylt an. Nachdem wir im VW-Bus auf einem Zug das Sylter Festland erreichten, ging es ganz schnell: Wohnung bestaunen, Betten beziehen und ab ans Meer. Kalte Sommerluft fegte durch mein Haar, als ich die anderen beim Kampf gegen die Wellen fotografierte – ich hatte meine Badehose vergessen… Kein Grund zur Trauer, da ich ohnehin kein großer Schwimmer bin. Nachdem ich ein paar Worte in den Sand gekratzt hatte, ging es im Dämmerlicht zurück zum riesigen Appartmentkomplex.
Die folgenden Tage waren weniger entspannt. Nach der Teamaufteilung, einer Wochenbesprechung und den ersten Proben, bereisten wir diverse Bildungsanstalten für Schulakquisen, um für unser Showkonzept zu werben. Aus zwölf gebuchten Auftritten wurden 29. Jede Show brauchte ihre eigene Konstellation aus Animator, Moderator und Schauspielern. Wir lernten die verschiedenen Rollen praktisch kennen und verbesserten uns mit jeder weiteren Bühnenpräsenz. Die Auftritte reichten von der ersten bis zur achten Klasse. Außerdem gab es Shows für 18- bis 25-Jährige im Jugendaufbauwerk. Diese enorme Vielfalt erforderte Proben bis spät in die Nacht.
Aus der vielen Arbeit resultierte wenig Freizeit. Umso mehr genossen wir das Liegen im Strandkorb, die Crepes aus Schokoteig gefüllt mit weißer Schokolade, das Kickern im Keller, das echte Kicken auf Kunstrasen, den nächtlichen Spaziergang, die tiefschürfenden Gespräche und den Wind, der um unsere Ohren peitschte. Der größte Genuss war wohl aber die Ermutigungsdusche am Ende der Woche. Wir waren zwar alle sehr positives Feedback gewohnt, aber es haut dir die Rübe weg, wenn dir 14 andere Menschen eine Minute lang höchstes Lob um die Backen klatschen. Man ist eine Minute lang der glücklichste Mensch auf der Welt.
Nach dreizehn Stunden Rückfahrt mit Zwischenstopp und Döner in Lübeck fiel ich erleichtert und bereichert in mein Bett. Die Zeit war noch intensiver als sie bereits war. People’s Theater ist ein einzig großes Superlativ.