31. Dezember 2011
Was es war, ist und sein wird.
Ich war in meinem Freundeskreis einer der ersten, der sich in Facebook herumtrieb und sich schnell daran gewöhnt hat, bald kein VZ mehr zu benutzen. Natürlich hatte ich von Facebooks Erfolg gehört und der billigen Kopie durch Studi-VZ, aber ich begriff es erst, als ich selbst angemeldet war. Dieses Facebook war so unglaublich offen verglichen mit der damaligen deutschen Konkurrenz, die sich durch die aufwendige Registrierung, durch verschiedene Zielgruppen (Schüler und Studenten) und durch die Trennung der persönlichen Pinnwände sehr eingeschränkt anfühlte. Lange Zeit dachte ich sogar, dass der durchschnittliche Internetnutzer nicht mehr Funktionen bräuchte und vielleicht überfordert sei durch Facebooks Versuch alle Aktivitäten in einer Seite zu vereinen.
Natürlich war das kein Problem und es wurde sogar zur Stärke. Alles war vereint. Man konnte von einem Punkt aus mit allen Freunden in allen Ländern kommunizieren. Man musste nicht mehr zwei Netzwerke und 200 verschiedene Pinnwände abklappern, um auf dem neuesten Stand zu sein. Das war fantastisch und wurde mit jedem neuen Freund besser. Doch jedes Wachstum hat seine Grenzen. Entweder man hat irgendwann genug Freunde oder man hat so viele Freunde, dass es unübersichtlich wird. Es kommen Nachrichten durch Likes hinzu und plötzlich ist deine Timeline ein Müllhaufen, den es zu durchwühlen gilt, um wertvolle Beiträge zu bergen. Manch einer fängt an dieser Stelle an, Listen zu erstellen und sein Netzwerk-Erlebnis zu systematisieren. Mit jedem neuen Freund oder Like wird gefiltert.
Erst vor Kurzem sah auch Facebook-Mastermind Mark Zuckerberg (als Reaktion auf Google+ Circles) die Notwendigkeit, das Sortieren und Filtern zu vereinfachen. Nun wird jeder automatisch, halbautomatisch oder manuell in eine Liste gesteckt. Das war auf den ersten Blick nicht perfekt, aber auf jeden Fall ein gut gemeinter Versuch, Übersicht zu verschaffen. Wenn ich mich jetzt einloggen würde, sehe aber folgendes: ein langer unsortierter Stream, zu dessen Inhalt ich gleich noch kommen werde. Es ist immer noch unübersichtlich, wenn ich nicht sofort auf eine Liste klicke, in der meine wichtigen oder besonders auffälligen Facebookfreunde stehen. Dort ist die Welt noch in Ordnung, oder? Eigentlich habe ich mir doch gerade einen Vorteil zerstört, indem ich von der zentralen Sammelseite auf eine Unterseite gewechselt bin, in der ich nur noch einen Bruchteil meiner Kontakte erlebe. Und wenn ich dann noch gezielter suche, klicke ich mich durch einzelne Profile, wie in alten VZ-Zeiten. Plötzlich fühlt sich Facebooks Größe überwältigend an und ich suhle mich in einem Bruchteil der Informationen, weil die übersichtlicher sind.
Facebooks Wachstum zeigt sich ja nicht nur in der Zahl der Mitglieder, sondern auch im Funktionsumfang. Ich verliebte mich in diese Seite, als es gefühlt nicht mehr als die Statusnachrichten, die privaten Nachrichten und Farmville gab. Jetzt gleicht Facebook einem Betriebssystem mit unzähligen Programmen und Kommunikationsmöglichkeiten. Und immer wenn es zwischen Chat, Videochat, privaten Nachrichten, Spieleanfragen, Seiten und Gruppen enger und unübersichtlicher wird, denkt sich Herr Zuckerberg etwas Neues aus, um Facebook noch größer machen zu können. Zuerst verknüpft er die Chats mit den Nachrichten und als nächstes haut er all unsere chaotischen Informationen in eine übersichtliche Chronik. Die Chronik zeigt, was aus dem Netzwerk werden soll: eine digitale Dokumentation des eigenen Lebens. Man kann jedes Ereignis von der Geburt, über einen Umzug bishin zur Beerdigung online verewigen. Man wird nun theoretisch jeden Menschen detailliert erforschen können, als hätte man ein umfangreiches Tagebuch zur Hand.
Wie versprochen, komme ich zum Inhalt. Es begann mit Sätzen und Fotos. Nun kann man nach Links und Videos auch Musik posten. Facebook ist nicht (nur) unübersichtlich geworden, weil es einen Großteil der Weltbevölkerung zu seinen Mitgliedern zählt. Viel mehr verantwortet der Funktionsumfang den Müllberg, vor dem ich nach jedem Login sitze. Denn anstatt geistreiche, witzige und interessante Geschichten von meinen besten Freunden zu lesen, werde ich von Fotoalben, Links und Videos erschlagen. Und wenn mal ein paar geschriebene Wörter auftauchen, ist gleich die halbe Welt verlinkt und man berichtet von Nichtigkeiten. Es schneit also, aha. Der letzte Abend war geil, okay. Maria ist wieder vergeben, oha.
Ach Facebook, noch bist du ein unausweichlicher Klick, aber wenn es so weitergeht, sehne ich mich nach einer Konkurrenz mit weniger Kompromissen und mehr Qualität.
30. Dezember 2011

Little Big Planet meets Back To The Future.
Ich kenne den zweiten Teil noch nicht, aber ich weiß noch, wie wild ich damals auf den ersten war. Little Big Planet ist eines dieser wenigen Spiele, die aktiv zur Kreativität anregen. Wie ein Sandkasten voller Spielzeug fühlt sich der Baumodus an. Im zweiten Teil wurde dieses Herzstück des Spiels nochmal um ein paar Extras verfeinert. So kann man jetzt auch Schnitte setzen und die Kamera beeinflussen. So entstehen nicht nur diverse Levels und eigene Spiele, sondern auch Filme. So wurde zum Beispiel das Finale aus “Zurück in die Zukunft” für die Umstände äußerst detailliert mit den possierlichen Sackboys nachgebaut (Link zum Video). Und wenn ein Spiel das (ohne Mods und Hacks) schafft, ist es verdammt nochmal ein lohnenswertes Spiel.